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Nathalie Sari - Tiertraining & Verhaltensberatung

Dieser Artikel wurde von TOBALIE in Zusammenarbeit mit Nathalie Sari - Tiertraining & Verhaltensberatung verfasst.

Ein Haushalt in dem Kind und Hund gemeinsam leben, bringt viele Vorteile für beide mit sich, doch auch einige Gefahren. Denn im Alltag Kind und Hund zu managen ist oft gar nicht so leicht. Um Unfälle zu vermeiden ist es sinnvoll Regeln für alle Beteiligten aufzustellen. Als Aufsichtsperson ist es deine Verantwortung sowohl das Kind vor dem Hund, aber auch den Hund vor den Kindern zu schützen.

Der Weg zum harmonischen Familienleben

Die Basis für ein harmonisches Zusammenleben ist eine gute Beziehung zu dir. Der Hund soll dir vertrauen und sich wohlfühlen. Hunde dürfen „sagen“, wenn ihnen etwas zu viel ist oder sie sich unwohl fühlen. Verbiete deinem Hund niemals etwa zu knurren, denn dann muss er die Eskalationsstufen weiter nach oben klettern und beißt unter Umständen ohne Vorwarnung. Dein Hund sollte also (weiterhin) artgerecht beschäftigt werden und nicht vernachlässigt werden.

Wie gewöhne ich meinen Hund an Kinder?

Vor der Geburt des Babys:

Sollte der Hund vor dem Kind da gewesen sein, kannst du viele Dinge schon vorab trainieren.

  • Dinge, die er bisher durfte, wenn das Baby da ist aber nichtmehr machen soll
  • Geräusche (Babygeschrei, etc.)
  • Mit Kinderwagen spazieren gehen (auch für dich eine wichtige Übung). Der Hund sollte dabei nicht an den Kinderwagen angebunden werden!
  • Auch eine Puppe kann zum Training miteingebunden werden
  • Entspannung trotz Lärm und Bewegungsreize
  • Alleine bleiben
  • Impulskontrolle
  • Positive Erfahrungen mit Kindern machen lassen
  • Aufmerksamkeit reduzieren (Hund bekommt nicht sofort deine Aufmerksamkeit, wenn er etwas möchte, Ausnahme sind natürlich Notfälle)
  • Spaziergang mit anderen vielleicht auch fremden Personen üben
  • Hinter dich gehen: Bei Unsicherheit soll der Hund zu dir kommen und sich hinter dich stellen, nicht selbst in Flucht oder Kampf gehen
  • Signaldecke auf die Couch, damit du später in Ruhe Stillen kannst und dein Hund mit etwas Abstand neben dir liegt bzw. auch auf seinem Bett am Boden

Nach der Geburt:

  • Nimm getragenes Babygewand mit nach Hause und lasse es in der Wohnung liegen, so kann sich der Hund mit dem Geruch anfreunden. Zusätzlich kannst du ihm etwas Tolles (z.B. Leckerli) geben, wenn er an dem Gewand schnuppert.
  • Lasse deinen Hund Anteil haben und sperre ihn nicht aus.
  • Baby sollte vom Hund positiv verknüpft werden. Lobe ihn, wenn er sich freundlich und ruhig nähert. Beschäftigst du dich mit Füttern oder Wickeln, bekommt dein Hund einen guten Kausnack.
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Welche Regeln im Alltag für den Hund?

  • Grundsignale: Die wichtigsten Signale sind der Rückruf, Sitz und/oder Platz, Bleib.
  • Alltagsübungen: Dein Hund sollte unbedingt folgende Übungen können: Leinenführigkeit, auf die Decke/ins Körbchen, Maulkorbtraining.
  • Tabuzonen: Es sollte Orte im Haus geben, an denen der Hund nicht hindarf. Dies kann bei Babys die Krabbeldecke, bei Kindern auch das gesamte Kinderzimmer und die Kinderspielecke sein. Überlege dir, an welchen Plätzen dein Vierbeiner keinen Zutritt haben sollte. Übe dies, indem du die anderen Räume für ihn spannend gestaltest und ihn immer wieder wegrufst, sollte er eine Tabuzone betreten wollen. Im Notfall kannst du diese Räume auch mit Kindergittern trennen und so sichern.
  • Hinaus: Oft ist es hilfreich, deinen Hund aus dem Raum schicken zu können. Erst nach deiner Erlaubnis darf er wieder herein.
  • Nichts aufnehmen: Der Hund sollte lernen, vor allem runtergefallenes Essen liegen zu lassen, bzw. erst auf dein Signal hin aufzunehmen. So verhinderst du einerseits, dass dein Liebling etwas Giftiges frisst und andererseits, dass er Essen auf dem Boden verteidigt, wenn das Kind danach greift.
  • Tauschen: Hat dein Hund etwas im Maul was er hergeben soll, ist es gut, wenn er tauschen kann. Sprich er gibt dir was er hat und bekommt dafür etwas Besseres. So verhinderst du es ihm wegnehmen zu müssen und eine Ressourcenverteidigung zu fördern.
  • Nicht anspringen: Auch wenn es dich nicht stört, ein Kind kann dadurch schnell zu Boden gestoßen werden und sich verletzen. Der Hund soll also lernen am Boden zu bleiben. Dazu braucht es deine Konsequenz, denn bei dir darf er beim Kind nicht, ist für einige Hunde gerade anfänglich verwirrend. Belohne deinen Hund also schon bevor er hinaufspringt oder zeige ihm ein Alternativverhalten (etwa Sitz).
  • Rückzugsmöglichkeit: Ein Platz, der nur für den Hund da ist, an dem er sich zurückziehen kann und von niemandem gestört wird (auch nicht von dir). Je nach Hund kann dies eine Box, sein Hundebett oder eine Decke sein. Manche Hunde ziehen sich gerne in Ruhe zurück, andere sind gerne von ihrer Familie umgeben.
  • Spielen: Spielt das Kinder alleine, mit anderen Kindern oder Gegenständen, etwa einem Ball, soll der Hund nicht dazwischengehen und sich zurückziehen. Am besten schickst du ihn Anfangs auf seinen Platz und gibst ihm eine tolle Belohnung.
  • Warnsignal: Lerne deinem Hund ein „Achtung“ als Warnsignal. Dies kannst du benutzen bevor er sich schreckt oder in Notsituationen, damit sich dein Hund darauf einstellen kann, dass gleich etwas Unangenehmes passiert. So verringerst du das Risiko, dass der Hund aus Schreck zuschnappt.
  • Nähe zum Kind: Der Hund sollte das Kind nicht im Gesicht abschlecken, ebenso sollte der Hund lernen keine Kinderspielsachen zu nehmen und dem Kind nichts aus der Hand zu stehlen.

Welche Regeln im Alltag für Kinder?

  • No Gos: Den Hund festhalten, sich draufsetzen, erschrecken, ihn mit Sachen bewerfen, hauen, stoßen, ziehen, etc.
  • Tabuzonen: Futterschüssel, Schlafplatz des Hundes, Unterschlupfe (höhlenartiges etwa unter dem Tisch, Couch, Bett, etc.), Hundespielsachen.
  • Fernhalten: Wenn der Hund etwas im Maul hat, spielt, konzentriert ist (z.B. beim Training), schläft.
  • Keine Objektspiele: Zerr-Wurf- und Ballspiele sollten Kinder nicht mit dem Hund machen, ebenso keine Raufspiele. Stattdessen ruhige Suchspiele, Spielzeug suchen, Leckerli verstecken, Spaziergänge, uvm. Spielen nur im Beisein eines Erwachsenen.
  • Nicht davonlaufen: Weglaufen kann ein Jagdverhalten beim Hund auslösen. Hat das Kind Angst sollte es am besten stehen bleiben oder langsam in die Tabuzonen des Hundes gehen.
  • Nicht bedrängen: Den Hund nicht in eine Ecke drängen, nicht über ihn beugen, ihn festhalten, umarmen, …
  • Streicheln: Nur wenn sich der Hund zum Kind legt und es möchte. Schaut gemeinsam an welchen Stellen der Hund gerne angefasst wird und wo er es gar nicht mag. Hund fragen: Kind soll Hund ansprechen, bevor es hin greift, um den Hund mit plötzlicher Berührung nicht zu erschrecken.
  • Kein Stofftier: Hunde sind keine Puppen und kein Spielzeug.
  • Ruhe: Kinder sollten lernen sich in der Nähe von Hunden ruhig zu verhalten (keinen Lärm machen, keine hektischen Bewegungen).
  • Rückzugsort: Auch Kinder brauchen einen Ort, an dem der Hund nicht hindarf (Kinderzimmer, Spielecke).

Wie oft werden Kinder von Hunden gebissen?

Warum Kinder besonders gefährdet sind?! Für ein Kind ist ein Hund gleichwertig, sprich sie gehen davon aus von ihm verstanden zu werden und haben oft ein brüderliches/schwesterliches Verhältnis zu ihm. Kinder nehmen die Welt anders wahr und haben etwa bis zu ihrem 11. Lebensjahr ein eingeschränktes Sichtfeld. Darum wollen sie den Vierbeiner knuddeln und ihn spüren. Dabei gehen sie meist nahe mit ihrem Kopf zum Maul. Kinder verstehen jedoch die Körpersprache des Hundes noch nicht und übersehen so schnell, dass der Hund ihnen droht. Zähne zeigen des Hundes wird von Kindern bis etwa 8 Jahren als lächeln verstanden. Da kleine Kinder noch nicht ausgewachsen sind, haben vor allem Verletzungen im Kopfbereich schwerere Folgen für sie. Einen Zusammenhang mit der Hunderasse (Stichwort Listenhunde) lässt sich dabei jedoch keiner feststellen. Jeder Hund kann zur Gefahr werden, wenn dieser sich bedroht fühlt und nicht wahr- bzw. ernstgenommen wird.

Kinder unter 5 Jahren verstehen Regeln noch nicht so gut, hier muss besonders aufgepasst werden. Bis 8 Jahren testen sie gerne ihre Grenzen aus und machen das Gegenteil von dem was man ihnen sagt, auch hier gilt es das Kind besonders im Auge zu behalten.

Der Großteil der Bissunfälle passiert mit bekannten (meist eigenen) Hunden in Abwesenheit der Bezugsperson. Die Gefahr vom Familienhund wird oft unterschätzt. Nicht selten hört man Sätze wie: „Mit dem kann man alles machen, der ist lieb oder der tut nix!“ Genau das ist gefährlich! Die meisten Hunde beschwichtigen sehr lange vorher, denn zu beißen ist meist der letzte Ausweg des Hundes, wenn seine Kommunikation ignoriert wurde.

Genau diese Kommunikation gilt es von Erwachsenen zu beobachten und ernst zu nehmen. Nur im Raum anwesend zu sein ist zu wenig. Man muss stets achtsam sein und Kind und Hund im Auge behalten.

Was sind deine Aufgaben als Bezugsperson und wie kannst du den Alltag managen?

  • Kind und Hund niemals alleine lassen!
  • Vorsicht ist besser als Nachsicht. Deeskaliere Situationen rechtzeitig und warte nicht ab, ob sie sich von selbst regeln.
  • Vorbild sein! Kinder lernen durch Nachahmung. Sagst du also: „Das darf nur ich.“, wenn du mit dem Hund etwas tust, sei dir sicher, sobald du nicht hinsiehst wird es das Kind genauso nachmachen. Verhalte dich also so, wie du es auch vom Kind erwartest.
  • Laufstall oder Babygitter sind wichtig, wenn du etwa beim Kochen nicht die volle Aufmerksamkeit hast.
  • Musst du einen Raum verlassen, nimm das Kind oder den Hund mit dir mit, damit die beiden nicht zusammen allein im Raum bleiben.
  • Versuche deine Aufmerksamkeit „gerecht“ zu verteilen, um Eifersucht zu vermeiden.
  • Trainiere den Hund positiv mittels Belohnung, hat der Hund Stress oder großen Frust kann es sein, dass er dies am schwächeren Kind ablässt. Bestätige erwünschtes Verhalten und baue Ersatzhandlungen für unerwünschtes auf.
  • Übe mit dem Kind die Körpersprache des Hundes zu lesen, einfühlsam zu sein und feinfühlig zu werden (motorisch).
  • Es braucht eine Erziehung von Kind und Hund. Liebevoll und belohnungsorientiert.
  • Bei groben Handlungen des Kindes: Kind wegholen, Hund loben, damit er es nicht ganz so schlimm verknüpft.
  • Tagesablauf: Routinen können Sicherheit geben. Versuche so gut es geht eine gewisse Struktur hinein zu bekommen. Feste Spielzeiten für Kind und Hund können dem anderen helfen zu verstehen, dass sie jetzt nicht an der Reihe sind, ihre Bedürfnisse aber später gestillt werden.
  • Gesundheit im Auge behalten. Gerade beim Hund können Schmerzen ein Grund für Verhaltensänderungen und Unmut sein.
  • Rechtzeitig Unterstützung holen. Der Alltag kann manchmal überfordern. Es ist völlig legitim sich Hilfe in Form eines/r HundesitterIn, HundetrainerIn, Baby/KindersitterIn, aber auch einem/r FamilienberaterIn oder TherapeutIn zu holen.
Kind mit Hund

Fazit

Kind und Hund können ein tolles Team sein. Trotzdem ist stets Achtsamkeit geboten und die beiden sollten niemals unbeaufsichtigt sein. Mit ein paar Regeln für alle steht einem glücklichen Familienleben nichts mehr im Wege.